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Post vom Nils

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Newsletter April 2017

Liebe Leser,

„huch“, rufe ich verdutzt aus. Aber auch „Potzblitz, pardauz, ja guckemal!“ Denn in elf Monaten schon zwingt mich meine geldgierige Agentur in Komplizenschaft mit nimmersatten örtlichen Veranstaltern, ein neues Programm auf die Bühne zu bringen. Dabei ist das aktuelle „Mach doch’n Foto davon“ noch nicht mal drei Jahre alt. Gerade mal etwas mehr als zwei Jahre hat das kleine Schmuckstück auf dem Buckel. Damit ist es jünger als so manches andere Programm („Liebe“, Hagen Rether: 24 Jahre; „Bis neulich“, Volker Pispers: 75 Jahre; „Freude ist nur ein Mangel an Information, Heiner Müller aka Nico Semsrott: 104 Jahre).
Nun gut. Wollen wir uns mal nicht mit anderen vergleichen. Da können wir ja gleich auf Facebook gehen. Machen wir aber nicht. Seit nunmehr vier Monaten bin ich nicht mehr auf Facebook. Und was bin ich damit? Ein junger Mensch. Denn die jungen Menschen sind da auch nicht mehr. Ha! Worauf will ich hinaus? Hoch natürlich. Gestern Abend kam ich übrigens im Fernsehen. Im NDR, in der „Intensivstation“. Wer es nicht gesehen hat, hat auch nichts verpasst. Denn den einen meiner zwei Auftritte lädt eh irgendwer (ich) auf YouTube hoch, und der andere wurde fernsehkompatibel so zusammengeschnitten, dass er keinen Sinn mehr ergibt. Muss man sich also live ansehen, bei einem Auftritt von mir. Zum Beispiel im April, vielleicht ja an einem der folgenden Termine:

10.04.  Frankfurt a.M. (D) / Stalburg Theater  Tel: +49 69 256 277 44

19.04.  Berlin (D) / Mehringhof Theater Tel: 030 691 50 99

20.04.  Berlin (D) / Mehringhof Theater Tel: 030 691 50 99

21.04.  Berlin (D) / Mehringhof Theater  Tel: 030 691 50 99

22.04. Berlin (D) / Mehringhof Theater  Tel: 030 691 50 99

27.04.  Lünen (D) / Heinz-Hilpert-Theater  Tel: 02306 104 2448

28.04. Neumünster (D) / statt-Theater

29.04.  Hamburg (D) / Polittbüro  Tel: 040 280 55 467


Kleiner Hinweis am Schluss: Nur noch im Mai werde ich mit meiner Glosse auf WDR 2 zu hören sein. Zwecks besserer Durchhörbarkeit des Programms, was ich nur begrüßen kann, übernimmt sie danach ein Fernsehpromi. Damit es zwischen Max Giesinger und Tim Bendzko nicht mehr so störend rummurmelt.
Hier noch der Text der Glosse „Moderne Ängste“ vom 28. März, als gewünschte Nachreichung:

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Vor wenigen Wochen machte die unfassbare Sensation die Runde, dass Frauen auch ungeschminkt wie Menschen aussehen. Viele Prominente Anmalgesichter beichteten dem Boulevard: ja, wir trauen uns auch ungetüncht aus dem Haus. Aber nur ganz kurz! Ich war schon ganz gespannt, ob als nächstes kommen würde: dass Frauen gerne ohne Highheels die Küche wischen und durchaus in Jogginghosen einkaufen gehen. Und ich war gespannt, wann die Macher des Frauenrechts-Blattes mit den groß bebilderten Buchstaben berichten, dass diese haarigen Ungetüme namens „Männer“ Tränendrüsen haben. Aus denen selbstgemachte Männertränen kommen. Auch dann, wenn man sich gerade keinen Döner mit Zwiebeln reinpfeift. Nun, am letzten Sonntag stand es in einer nicht mehr ganz so großen Sonntagszeitung: auch Männer können weinen. Öffentlich. Nicht mehr heimlich. Ja. Männer weinen. Weinen ist das neue im Sitzen pinkeln. Und weinen geht aus vielen Gründen: aus Verzweiflung über das Drehbuch des letzten Saarbrücken-Tatorts, aus Freude über eine Niederlage von Bayern München, aus Schmerz – weil das neue Rasierwasser so brennt und sich hinterher als Nagellackentferner der Freundin rausstellt und auch aus Angst. Vor allem das Weinen aus Angst ist in. Angst haben, das ist ja bei uns der ganz große Trend. Was wurden die Leute von ihrer Angst vor einem Jahr auf die Straße getrieben. Vor allem die Angst vor Überfremdung, vor allem in entvölkerten Orten, wo unfassbar viele leere Häuser ungenutzt vor sich hinmodern. Die stehen da nur noch, weil ein Briefkasten dranhängt. Was haben die Leute laut geweint bei diesen Demos. Angst vor Umvolkung nannten die das auch. Umvolkung, ein neumodischer Quatsch, den ich auch nicht verstehe. Was ist das? Wer soll was davon haben? Wer soll wohin umgevolkt werden? Rentner nach Mallorca? Schwaben nach Berlin? Werden alle umgevolkt, oder nur Volksteile, die Volker heißen? Egal, man ist jetzt ganz vorn dabei, wenn man seine Angst ganz offen zeigt. In der geschlossenen Facebookgruppe. Dann gibt’s nämlich auch Hilfe. Beispielsweise gibt’s ja Menschen, die ernsthaft Angst haben, dass Strichcodes auf Lebensmitteln Erdstrahlung bündeln, ins Lebensmittel leiten und es schlecht werden lassen. Und für diese ganz speziellen Naturfreunde druckt man im aufgeklärten einundzwanzigsten Jahrhundert neutralisierende Querstriche auf den Strichcode. Und alles ist wieder gut. Sowas kann man ganz oft im Bioladen sehen. Und wenn selbst das nichts hilft: einfach weinen. Das darf man jetzt. Auch als Mann.
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Bis Mai, goodbye